Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Türkiye’ Category

Every Wednesday, Anne Will invites different people to discuss on a certain topic.

This week: 50 years recruitement agreement (Anwerbeabkommen) between Turkey and Germany. The main topic: integration!

invited were:

  • Özlem Nas (Pedagoge from Hamburg)
  • Tayfun Bademsoy (actor)
  • Güner Balci (journalist)
  • Günter Wallraff (a Turkish immigrant from the first hour)
  • Wolfgang Schenk (former teacher in Neukölln and Steglitz, two districts in Berlin)
  • Heinz Buschkowsky (district mayor of Berlin-Neukölln).

Unfortunately it’s in German, but interesting to watch.

Read Full Post »

Check it out, it’s a great comedian in Germany, with turkish „migrational background“ as he says himself. He has a great way of laughing about Turks in Germany and in Turkey and everybody else in the world.

Here the link: http://rtl-now.rtl.de/kaya-yanar/kaya-yanar-live-made-in-germany-teil-1.php?film_id=46261&player=1&season=0

Read Full Post »

Spätestens im nächsten Sommer wird es wieder soweit sein. Dann wird sich Fatma Senol, Rentnerin, 79 Jahre alt, einmal mehr in den Bus von Aksaray nach Ankara setzen, fünf Stunden dauert die Fahrt in die Hauptstadt. Sie wird mit einem Stapel Unterlagen vorsprechen beim deutschen Konsulat, wo sie Wochen zuvor einen Termin beantragt hat.

Ebenfalls Wochen vor dem geplanten Besuchstermin muss in Deutschland Zeliha Senol, die Tochter, zum Ausländeramt in Siegburg, mit Ordern voller Unterlagen: Gehaltsnachweise, Versicherungsscheine, Arbeitsverträge, Kontoauszüge und vieles mehr. Sie muss 25 Euro zahlen, um ihre Mutter offiziell zu sich einzuladen zu dürfen. Wenn sie alles richtig gemacht haben, Mutter und Tochter, dann wird Fatma Senol das deutsche Konsulat am Ende mit einem Visum verlassen. Ein Visum, um ihre Tochter und ihre Enkelin zu besuchen, die in Deutschland leben. „Ich verstehe nicht, warum man es uns so schwer macht“, klagt Zeliha Senol über die aufwendige Prozedur.

160.000 Turkish citizens apply for a German visa every year.
But according to some it’s not legal asking for a visa for those coming to Germany not for working. Again the topic about the so called „Stillhalteklausel“ came up. Does „Zugang zu Arbeitsmärkten“ (engl. access to labor markets) also mean the laying claims to (social) services (such as touristic tours)?

More and recent information here: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-07/tuerken-visum-integration/seite-1

Read Full Post »

Baden-Württemberg, always mentioned as structurally conservative is now become the model federal state. Four months ago it turned politically green, BÜNDNIS 90/Die Grünen and SPD are government now. Several politicians have migrational background and it’s the first federal state launching a ministry for integration. A big thanks concerning first steps to a more open society goes also to the minister of integration, Bilkay Öney, SPD.

Bilkay Öney’s recent calls:
– no „Einbürgerungstest“ anymore
– double citizenship at least for those born in Germany
Both are important for a successful integration as well. Accepting and respecting the country of origin of immigrants (in whichever generation)* motivates them more to also be respectful with their country of living.

*If it makes sense still talking about immigrants should not be topic here.

Read Full Post »

After long time, I have been to Turkey again. The country which feels like my second home. I feel at home there, I enjoy the people there, the sun, and the food 🙂
But what I again and again get scared about is the sentence „Let’s go to Marmaris“ by my fiancé. In generally that means: „Let’s take the nightbus to there, 10-12hours driving“. I love Marmaris, the beach, the sun, the family. But I hate the journey. 12 hours in a bus, normal size, quite normal seats, nothing comfortable. At least they serve cookies and drinks from time to time. But I don’t know how people achieve sleeping in there. I’m sobody having one sleeping position in a normal bed, I need to fall asleep in this one position, otherwise I stay awake the whole night. And that what in generally happens in Turkish long distance busses: I stay awake, except of some moments of complete exhaustion. It’s not only because of the seats. But also because of the incredible uncomfortable streets. Even highways are just an up and down and shaking and moving, from one pot hole to the next one.

Great that they offer this possibility of acctually very cheap busses, but PLEASE adjust the streets to your great plans!

Or is it maybe just because I’m German and very spoilt about the state of German streets???

Read Full Post »

Im Folgenden der Artikel von Die Welt Online

Zwei Tage hat Michel Friedman im Kreuzberger Döner-Restaurant „Tadim“ gearbeitet. Seine Erkenntnis: Die Türken arbeiten hart, fühlen sich aber nicht akzeptiert.
„Michel, wie blöd kann man sich eigentlich anstellen?“, fragt mich Mehmet. „Und du hast doch sogar studiert!“ Ich erzähle Mehmet, dass schon meine Mutter mich aus ihrer Küche geworfen hat, weil ich, wie sie mir immer zurief, zwei linke Hände hätte.

„Also gut“, nickt er mir wohlwollend zu, „wir versuche es ein letztes Mal.“ Während ich mich erneut an das 80 Zentimeter lange und gut zwei Kilo schwere Messer heranwage, hat sich hinter meinem Rücken die gesamte Mannschaft des Döner-Restaurants versammelt.
Da ist Izzet, der den Verkauf und die Bedienung mit Deniz organisiert, und Eurath, der am Ofen die türkische Pizza und die Fladenbrote backt. Natürlich schneide ich wieder einmal das Fleisch in viel zu dicke Streifen. Und natürlich gelingt es mir nicht, die Streifen während des Schneidens auch noch in kleine Stücke zu portionieren.
Tolga Türkmen, der 29-jährige Sohn des Döner-Restaurant-Besitzers, führt seit zwei Jahren selbstständig das Geschäft. „Drei bis sechs Monate braucht man, um die Schnitttechnik wirklich zu beherrschen. Die Leute glauben, das sei einfach, aber in Wirklichkeit ist Dönerschneiden eine kleine Kunst.“
Wir sind es gewohnt, Fleisch zu filetieren
Tolga hat recht. Das Problem ist: Wir sind es gewohnt, Fleisch von oben nach untern zu filetieren. Der Dönerspieß aber, der sich auch noch dreht, muss seitlich und mit leicht abgehackten Handbewegungen behandelt werden. Ich gestehe, dass ich auch nach acht Stunden Arbeit unfähig war, diese Technik sinnvoll einzusetzen. Meine Mutter hatte eben doch recht!
Das Restaurant „Tadim“, was auf Deutsch so viel heißt wie „Geschmack“, befindet sich am Kottbusser Tor im Herzen Kreuzbergs und hat ein geöffnetes Außenfenster für alle diejenigen, die den Döner gleich mitnehmen wollen.

Am Eingang ein mannshoher Kühlschrank, aus dem man sich Getränke nehmen kann. Der Gastraum ist mittelgroß, hat 20 Sitzplätze, Holztische und Stühle, der Boden ist gekachelt. Es ist einfach, aber sauber eingerichtet. „Sauberkeit ist für unsere Familie ein Muss“, sagt Tolga, „jeden Tag frische Polohemden und Schürzen. Die Theke muss permanent nass gewischt werden. Die Kunden bemerken das sofort, und es ist gut fürs Geschäft.“
Tolga hat langes, gegeltes, schwarzes Haar, er ist sportlich, trägt schwarze Jeans und ein schwarzes Polohemd. Ursprünglich war es sein Lebenstraum, Fußballer zu werden. „In der Schule habe ich nicht genug aufgepasst, hatte viel Blödsinn im Kopf, dachte nur an Fußball. Ich habe tatsächlich geglaubt, dass ich in der 1. Bundesliga mitspielen könnte.“

Vom Fußballer zum Dönerverkäufer
Seit seinem 18. Lebensjahr arbeitet er mit seinem Vater, zuerst im Dönerimbiss in Marzahn, jetzt als Geschäftsführer im „Tadim“. Doch auch mit seinen 30 Jahren spielt er noch Fußball, wo immer er kann.
Als 16-Jähriger hat er bei Tennis Borussia gespielt, dann bei Brandenburg 03, schließlich bei Union 06. „Heute weiß ich, dass ich einen großen Fehler gemacht habe, ohne Abschluss die Schule zu verlassen. Heute weiß ich: Bildung ist Macht“, sagt Toga.
Da ich wegen Unfähigkeit vom Dönerspieß abgezogen wurde, arbeite ich jetzt mit Izzet an der Verkaufstheke, wo Schüsseln mit frisch geschnittenen Tomaten, Zwiebeln, Eisbergsalat, Rettich und Zitronen aufgereiht sind. Izzet ist Kurde und seit 14 Jahren in Berlin.
Der 30-Jährige spricht gutes Deutsch, wie übrigens fast alle, die hier arbeiten. Mehmet reicht uns ein Fladenbrot, gefüllt mit 200 Gramm Dönerfleisch. Meine neue Aufgabe ist es, den Döner mit Salat aufzufüllen. „Mit Soße?“, fragt Izzet. „Nur wenig“, antwortet die junge Kundin. Ich schütte großzügig weiße und rote Flüssigkeit auf das Fleisch und kassiere drei Euro.
Kunden sind sensibel beim Fleisch
Nach den Ekelfleischskandalen der letzten Jahre sind die Kunden sensibler geworden. Der Verband der Dönerhändler deutet an, dass unter drei Euro kein qualitativ hochwertiger Döner verkauft werden kann. „Wir benutzen nur Kalbfleisch“, erklärt Tolga stolz, „kein Hackfleisch, kein zusammengetackertes Fleisch“ – und gibt mir gleich einen Tipp, wie man einen guten Döner erkennen kann.
„Wenn du den Laden nicht kennst, musst du das Fleisch erst ohne Soße kosten. Die Schärfe, die Gewürze, der Knoblauch betäuben die Geschmacksnerven, und man schmeckt das Fleisch nicht mehr.“ Auf gute, selbst gemachte Soßen legen Dönerköche großen Wert.
Die weiße besteht aus Jogurt, Quark, Dill, Salz, Zitrone, Öl und Zucker. Die schärfere rote aus gekochten Tomaten, Auberginen, roter und scharfer Paprika, Sonnenblumenöl und Knoblauch. Laut dem Verband türkischer Dönerhersteller gibt es in Deutschland über 15.000 Dönerbuden.
Allein in Berlin werden täglich etwa 25 Tonnen Dönerfleisch verkauft. Nach Pizza und Hamburger ist der Döner endgültig in der deutschen Fast-Food-Gastronomie angekommen.
Am früheren Abend kommen Tolgas Eltern ins Geschäft. Sein Vater Yakub trägt einen eleganten Nadelstreifenanzug, weißes Hemd ohne Krawatte, schwarzer Schnauzbart, gütige Augen, Anfang 50. Tolgas Mutter Memsume, 50, ist eine energische und fröhliche Frau, modern gekleidet, und auch sie ist in der Gesellschaft angekommen.

Der jüngste Sohn besucht eine englische Schule
Beide stammen sie aus einem kleinen türkischen Dorf, sie haben drei Kinder und leben seit Jahrzehnten in Berlin. „Ich habe mein ganzes Leben schwer gearbeitet“, berichtet Yakub, „meine Frau auch. 20 Jahre war sie Köchin im Martin-Luther-Krankenhaus. Wir wollten immer, dass es unseren Kindern besser geht“, ergänzt Memsume Türkmen.
„Unser jüngster Sohn geht in eine englische Privatschule in Wedding“, berichtet sie und ihre Augen glänzen. „Warum in eine englische Privatschule?“, frage ich. „Wir zahlen 600 Euro im Monat und wollten bewusst eine englische Schule. Dadurch wird unser Kind nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt seinen Weg gehen können.“
Wir trinken Tee, Izzet bringt uns frisches Essen. Türkische Pizza, Dönerteller, Salat und Fladenbrot, in dem heißer Käse seine Schmelzspuren hinterlässt. „Wir leben gern in Berlin“, erzählt Frau Türkmen. „Es ist kein leichtes, aber ein gutes Leben, wir sind frei. Und unseren Kindern geht es gut.“
Ich frage Tolga, der in Deutschland geboren ist, wie er seine Identität beschreiben würde. „Ich bin nicht Deutscher“, antwortet er spontan. „Türke?“, frage ich nach. „Sie sind doch hier geboren und aufgewachsen.“ Tolga denkt einige Minuten nach bevor er antwortet: „Berliner, ich bin Berliner.“
Wieder wird es still. Tolga fährt fort: „Wenn man dauernd zurückgewiesen wird, wenn einem immer wieder gezeigt wird, dass man trotz allem nicht dazugehört, dann schützt man sich und baut Mauern um sich herum. In der Schule, beim Fußball, in der Disco: Ich war immer Ausländer.“
Friedman und der eigene Identitätskonflikt
Ich erinnere mich an meinen eigenen Identitätskonflikt in den 70er-Jahren, als wir von Paris nach Frankfurt zogen. Überall waren noch Altnazis in gesellschaftlichen und beruflichen Positionen. Die junge Generation fing gerade an, als Lehrer, Polizist, Verwaltungsbeamter und Politiker ihren Platz im Alltag einzunehmen.
Als Kind von Holocaust-Überlebenden in einem deutschen Gymnasium wurde ich immer noch als Exot angesehen, sobald man erfuhr, dass ich Jude bin. Ich brauchte lange, bis aus dem „Frankfurter“ ein „Deutscher“ wurde (ob das den anderen passte oder nicht) und schließlich ein „deutscher Europäer“.
Tolga lächelt mich an: „Und dann heiße ich auch noch Türkmen. Aber unsere Kinder sind da schon weiter, die Dinge sind im Fluss, mein Großvater war dreimal in seinem Leben in Mekka. Ein frommer Moslem. Wenn er zu Besuch kam und ich ihm Bier angeboten hätte, wäre er empört gewesen und hätte mich verstoßen. Meine Eltern waren da schon liberaler. Ich glaube zwar an Gott, faste aber nicht und gehe kaum mehr in die Moschee. Geduld! Beide Seiten brauchen Geduld!“
Am Pizza- und Brotofen erwartet mich Achmed. Der 33-Jährige lebt seit zehn Jahren in Deutschland. In der Türkei hatte er einen kleinen Laden.
Ein besseres Leben in Deutschland
„Mit 16 habe ich angefangen zu arbeiten, in Deutschland habe ich ein besseres Leben als in der Türkei.“ Ein Dönerrestaurant mit eigenem Pizzaofen sei ein Beweis für gehobene Qualität. Das Brot werde nicht tiefgefroren und anschließend in einem Toaster oder einer Mikrowelle aufgebacken, sondern im Restaurant frisch hergestellt.
„Ich bin stolz, ein guter Bäcker zu sein“, sagt Achmed. „Türkische Pizza ist eine Delikatesse, mindestens so gut wie italienische.“ Achmed stellt auch den Belag für die Pizza selbst her. Hackfleisch, Gewürze, Paprika, Tomaten und Zwiebeln werden schön miteinander verknetet, dann verfeinert und schließlich von mir in einer dünnen Schicht auf das warme Pizzabrot gestrichen. „Wichtig ist jetzt noch ein Schuss Zitronensaft“, erklärt Achmed.
Ich bin für die nächsten Stunden zuständig für das Pizzabacken. Ich schiebe auf einem langen Holzbrett drei Pizzen in den wohlriechenden Ofen (verbrenne mir natürlich sofort einen Finger), streiche später eine dünne Schicht Fleisch darauf und reiche sie den anderen Kollegen zum Verkauf. Zufrieden stelle ich fest, dass wir an diesem Abend mindestens so viele Pizzen wie Döner verkaufen.
Nach dem Feierabendandrang setzen wir uns auf die Bänke vor dem Geschäft. Milder Frühlingswind umhüllt uns. Wir rauchen Zigaretten, trinken Tee. Das Kottbusser Tor, von den meisten hier einfach „Kotti“ genannt, füllt sich mit Jugendlichen und Touristen.
„Ab 22 Uhr geht es wieder los“, erklärt Tolga. Dann kommen die Kreuzberg-Besucher, die Discogänger und diejenigen, die nicht schlafen können. Das „Tadim“ ist sieben Tage die Woche von neun Uhr früh bis zwei Uhr morgens geöffnet.

Buden-Chef verdient bis zu 5000 Euro
Sieben Angestellte verdienen hier ihren Lebensunterhalt. Einige davon sind Hartz-IV-Aufstocker, aber alle arbeiten. Tolga verdient als Juniorchef 3000 bis 5000 Euro im Monat und ist stolz, dass er nichts vom Staat braucht.
Ipek Cem, ein Freund von Tolga, setzt sich zu uns. Ipek ist IT-Systemkaufmann und betreibt einen Hamburger-Laden. Auch der 30-Jährige betont, dass er seinen Lebensunterhalt mit seiner Arbeit verdiene, das ist ihm ebenso wichtig wie Tolga.
„Die meisten jungen Deutsch-Türken haben Berufe, leben nicht von der Stütze, tragen kein Kopftuch, sind moderne Muslime und träumen dasselbe wie die Mehrheitsgesellschaft.“ Ich spüre die Kränkung, die Wunde, die die Sarrazin-Debatte hinterlassen hat.
Ja, es gibt Gettos, ja, es gibt Parallelgesellschaften, auch Kreuzberg und insbesondere der Kotti sind problematisch: Junkies und Alkoholiker sind auch an diesem Abend ein Teil des Straßenbildes. Die oberirdische U-Bahnstation macht immer noch Angst.
Auch die hässlichen Betonbauten, anonym, grau und kalt haben etwas Bedrohliches. Ich sehe aber sowohl Deutsche als auch Migranten, die auf den Straßen herumstreichen, torkelnd mit glasigen Augen und armseliger Kleidung.

Das Viertel verändert sich stetig
Das Viertel verändert sich trotzdem, wenn auch nur langsam. Seit der Berliner Wohnungsmarkt explodiert, die Mieten steigen und teures Wohnungseigentum entsteht, kommen immer mehr Studenten und Künstler zum Kreuzberg und selbst zum Kotti. Zu lange haben alle weggeschaut.
Wieder bei der Arbeit. Der Dönerspieß wird schmaler. Ursprünglich hingen 60 Kilo Fleisch am Spieß. Mindestens 45 Minuten dreht sich das Fleisch bei einer Temperatur von 80 bis 100 Grad. Wir sind alle müde und freuen uns auf den Feierabend. Mir tun die Oberarme weh. „Morgen werde ich Muskelkater haben“, denke ich, während ich meine Berufskleidung ausziehe.
Am nächsten Morgen kommt eine Gruppe Jugendlicher in unseren Laden. Schulausflug, Gymnasiasten aus Hamburg, die 17-Jährigen bestellen Döner und setzen sich auf die sonnigen Terrassenbänke. Während ich ihre Bestellung bringe, frage ich sie, wie sie das Viertel empfinden und ob sie das multikulturelle Kreuzberg mögen.
Gregor erzählt, dass in seiner Klasse viele Kinder aus Migrantenfamilien stammen. „Wir hatten einen kurdischen Schulfreund, der schrieb die besten Deutschdiktate und hatte die besten Noten.“ Gregor beißt herzhaft in seinen Döner, Soße läuft in seine Serviette.
„Wir sind hier ein bisschen auf und ab gegangen und haben eine Klasse mit Sechsjährigen gesehen“, sagt Gregor und nimmt einen Schluck aus seiner Wasserflasche, „da war kein einziges Kind dabei, das deutsch aussah.“

Deutsche fühlen sich am Kotti wie in der Türkei
Er zögert einen Augenblick, bevor er weiterspricht. „Ich hatte das Gefühl, in der Türkei und nicht in Deutschland zu sein.“ „Ist das ein Problem?“, frage ich nach. „Was wird in dreißig Jahren sein“, entgegnet er, „wo sind wir Deutsche dann?“
„Aber die meisten Kinder, auch die die du gesehen hast, sind doch schon in Deutschland geboren und deutsche Staatsbürger“, werfe ich ein. Gregor entgegnet: „Das ist aber nicht das Gleiche“. Ich frage Gregor, woher denn seine Großeltern stammen. „Aus Pommern“. „Also waren die doch auch mal Ausländer.“ Gregor beißt in sein letztes Stück Döner und antwortet nachdenklich, aber nicht überzeugt: „ So gesehen …“
Ein fünfjähriger Knirps steht vor mir und bittet mit starkem Berliner Dialekt um einen Döner. Frech schaut er mich an, als auch seine Mutter an die Theke kommt. Wir unterhalten uns und sie erzählt, dass sie Sachbearbeiterin bei einer türkischen Bank in Berlin ist.
Sie hatte an der Eliteuniversität in Istanbul Volkswirtschaft studiert und wanderte wegen einer Liebesbeziehung nach Deutschland aus. Die Beziehung ist gescheitert. Obwohl sie in der Türkei genauso viel verdienen kann wie in Berlin, will sie nicht zurück.
„Ich lebe gern in Deutschland“
„Ich lebe gern in Deutschland, hier bin ich frei, ich bestimme mein Leben selbst, ich habe deutsche Freunde und ich will, dass meine Kinder eine gute Ausbildung genießen.“
Die elegante Enddreißigerin sitzt mit ihrer in Deutschland geborenen Freundin Zeynet am Tisch, die widerspricht: „Solange man von mir eine Identitätserklärung abverlangt, ein Zeugnis, dass ich Deutsche bin, obwohl ich es bin, obwohl man es von anderen Deutschen nicht verlangt, verweigere ich mich. Ich bin ein Mensch, eine nichttürkischstämmige Deutsche fragt man doch auch nicht, was und wer sie ist und ob sie auch wirklich Deutsche ist.“
Ich muss an Tolga denken, auch er hatte mir erzählt, dass die Mehrheitsgesellschaft ihn immer wieder spüren ließe, dass er nicht dazugehört. Seine Mutter hatte das anders gesehen.
Sie sei zufrieden, angekommen. Sie lasse sich nicht fremdbestimmen, sie bestimme ihr Leben selbst. Auch wenn das nicht immer leicht ist.

Michel Friedman (55) ist ein deutscher Rechtsanwalt, Fenseh-Moderator und Journalist. Von 2000 bis 2003 war er stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden. Friedman ist Kolumnist der „Welt“-Gruppe.

Read Full Post »

Really fitting my feelings and thoughts about German Visa Policy is the following quotation:

“So viele Brücken kann man nicht bauen, um die Gräben, die durch die deutsche Visapolitik aufgerissen werden, zu überwinden“

(It’s impossible to build so many bridges to overcome the ditches build by German Visa policy.)

Tüncel Kurtiz, a famous Turkish actor said it during the Filmfestival Germany/Turkey in Nürnberg. He’s also known in Germany for example for his role in Fatih Akıns movie Auf der anderen Seite (Yaşamın kıyısında; The Edge of Heaven).

(source: http://www.op-online.de/nachrichten/politik/tuerkische-kuenstler-sauer-viele-bekommen-kein-visa-1170183.html)

Read Full Post »

Older Posts »